Corporate Responsibility – Home sweet Homeoffice. Bei guter Führung

Homeoffice Corporate Responsibility

Ausgerechnet ein Virus beschleunigt den digitalen Wandel in Deutschland. Knapp drei Viertel der Unternehmen wollen, getrieben von der Pandemie, deutlich mehr Homeoffice anbieten. Drei Fünftel wollen die Reisetätigkeit ihrer Mitarbeiter reduzieren. Viele Studien* stimmen darin überein: Homeoffice wird bleiben. Andererseits sind laut einer von Morgan Stanley Research veröffentlichten Umfrage inzwischen wieder drei Viertel der Büroarbeitsplätze in deutschen Unternehmen besetzt. Und wie es scheint, hatten sich viele Beschäftigte schon auf ihr Büro gefreut.

Inwiefern markiert ‚Homeoffice im Corona-Modus‘ eine Zeitenwende, nach der komplett andere Regeln gelten? Ist es der neue Goldstandard? Es wäre ja nicht das erste Mal, dass anfängliche Prognosen, die unternehmerischen Entscheidungen zugrunde liegen, vom Gang der Dinge widerlegt werden**. 

 

Die Corona-Beschränkungen schufen eine Sondersituation. Es wird sich zeigen, wie sich die Ausweitung von Homeoffice und mobilem Arbeiten auf die Dauer auswirken wird. An Erfahrungswissen mangelt es noch, an neuen Gewissheiten hingegen weniger.

Zugegeben, an sich ist Homeoffice ein alter Hut. Bei einigen großen IT-, Tech- und Fintech-Unternehmen gibt es seit Jahren keine Präsenzpflicht mehr. Und im Wettbewerb um Fach- und Nachwuchskräfte gilt Homeoffice schon seit Langem als Attraktivitätsfaktor. (Ein Unterscheidungsmerkmal bleibt das natürlich nur, bis Homeoffice als Standard etabliert ist.)

 

Flexibilität – heute Attraktor, morgen Hygienefaktor

Flexibles und mobiles Arbeiten steht bei der sog. Generation Z inzwischen höher im Kurs als die von Start-ups bekannten Feelgood-Aktionen und Kicker-Ecken. Offenbar sind viele Bewerber sogar bereit, für einen Gewinn an Flexibilität Gehaltsabschläge in Kauf zu nehmen. Und wenn die physische Nähe zum Arbeitsplatz kein Ausschlusskriterium darstellt, profitiert der Arbeitgeber auch noch von einem größeren Einzugsgebiet resp. Bewerberpotenzial.

Dennoch gab es vor Corona nur in jedem sechsten Betrieb eine offizielle Homeoffice-Regelung. Inoffiziell praktizieren viele Unternehmen Homeoffice, nicht selten über die regulären Arbeitszeiten hinaus. Ein Laissez-faire, bei dem oft auch die arbeitsrechtliche Abgrenzung zum mobilen Arbeiten verschwimmt.

Homeoffice irgendwie ‚zuzulassen‘ oder bei Bedarf ‚zu gewähren‘ ist jedoch keine Strategie. Die aber braucht es, denn sobald Homeoffice nicht mehr die Ausnahme, sondern ein Routine-Arbeitsmodell ist, wächst ihm eine neue Qualität zu.

Tatsächlich haben Arbeitgeber die Erfahrung gemacht, dass vieles virtuell funktioniert, was früher persönliche Anwesenheit erforderte. So etwas beflügelt Begehrlichkeiten. Folgten die Unternehmen bisher den pandemiebedingten Notwendigkeiten, wird künftig wohl eher ein Sog neuer Möglichkeiten ihren Kurs bestimmen.

 

Vom Lockdown getrieben – von neuen Möglichkeiten verlockt

Mit dem Entwicklungsboom bei digitalen Tools scheint der weitere Weg vorgezeichnet: Die Bedienung wird ergonomischer und intuitiver, die Bild- und Audio-Qualität besser – vorausgesetzt die Bandbreite reicht für Web- und Videokonferenzen bei gleichzeitigem Sharing und Server-Zugriffen. Video-Meetings laufen per App auch auf dem Smartphone, Instant-Messenger vereinfachen die Zusammenarbeit. Bis zur holografischen Echtzeitpräsenz dauert es zwar noch, aber 3D-Konferenzräume lassen sich per VR-Brille schon heute betreten.

Womöglich sind dort neben realen Kollegen auch digitale Co-Worker anzutreffen. In einer virtuellen Arbeitswelt verschwimmen die Grenzen ohnehin. KI-gestützte Assistenten und Collaboration-Tools unterscheiden Stimmmodulation oder Nuancen der Mimik inzwischen feiner als ihr menschliches Gegenüber. Man mag einwenden, nicht jedem sei wohl bei dem Gedanken, dass diese Art der Interaktion irgendwann Routine sein könnte.

 

Hochfliegende Visionen. Die Leichtigkeit des Scheins und die Mühen der Ebene

Wie auch immer es kommt, aus diesem Blickwinkel ist Homeoffice nur ein erster Schritt in Richtung schöne, neue, digitale  Arbeitswelt. Um diesen ersten Schritt überhaupt gehen zu können, waren in vielen Unternehmen strukturelle Veränderungen erforderlich, oft auch größere Investitionen für die technische Aufrüstung. In einer Umfrage des ZEW Mannheim vom Juni gab zum Beispiel ein Drittel der Arbeitgeber an, dass sie in der Krise technisch hätten aufrüsten müssen. Langfristig wiederum rechnen sich diese kurzfristigen Investitionen, wenn das Unternehmens ohnehin plant, Homeoffice-Lösungen intensiver und auf Dauer zu nutzen.

Die IT-Kraftanstrengungen ziehen allerdings Folgeaufwand nach sich. Je mehr Mitarbeiter von verschiedenen Orten aus auf die Firmenserver zugreifen oder Apps wie Zoom, goToMeeting, Slack und MS Teams nutzen, desto komplexer wird zum Beispiel das Thema IT- und Datensicherheit. Analysten von Netscope beispielsweise wiesen darauf hin, dass z. B. der Anteil Cloud-basierter Malware auf 63 Prozent gestiegen ist.

 

Mehr Homeoffice – mehr Verantwortung

Wenn ein Großteil der Geschäftstätigkeit dauerhaft in den Privatwohnungen der Mitarbeiter stattfindet, ist dies nicht nur eine technische oder räumliche Frage. Es schreibt die Spielregeln die betrieblichen Praxis um.

Jedes Unternehmen erwartet von seinen Beschäftigten zu Recht, dass sie professionelle Arbeit abliefern, ganz gleich von welchem Ort aus. Dann steht es allerdings auch in der Verantwortung, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und zu investieren – Geld, Zeit und Zuwendung sowie nicht zuletzt Ideen.

Es reicht es also nicht aus, Homeoffice einfach nur zuzulassen. Es nimmt die Unternehmen in die Pflicht, speziell in ihrer Rolle als Arbeitgeber. Die Transformation hin zum dezentraleren, digitalisierten Arbeiten ist eine Gestaltungsaufgabe, kein Schicksal. Wer Homeoffice zum neuen Arbeitsmodell erklärt, braucht entsprechende Infrastrukturen und Regelungen, etwa eine Anpassung der Karrieremodelle, Assessment-Verfahren, Personalentwicklung oder Managementmethoden. Und es braucht ein starkes kommunikatives Band.

 

Hier geht es zum ersten Teil der Serie: Corporate Distancing – Homeoffice Im Corona-Modus

Hier geht es zum zweiten Teil der Serie: Corporate Coherence: Homeoffice – Goldstandard oder Korrosionsbeschleuniger?

 

*wie etwa die vom Ifo Institut und Randstad
**… Und wieder zügig eines Besseren belehrt? Die Sozialen Medien sollten ja schon einmal den offenen, demokratischen Diskurs fördern, eine Freiheitsressource für den Einzelnen sein, der sich umfassend informieren und austauschen kann … erst scheiterte der Arabische Frühling, dann kam Trump. Am Ende kommt es darauf an, was der Menschen daraus macht. Im Zweifel also das, was er immer macht, auch ohne digitale Medien.

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