Trusted Content: Wie Medien sich gegen Fake News schützen

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Fake News stellen auch die Medien vor Herausforderungen: Zum einem müssen sie sicherstellen, dass sie selbst in der Berichterstattung keinen Fakes aufsitzen und Falschmeldungen weiterverbreiten. Zum anderen wird ihre Rolle als Aufklärer und Erklärer wichtiger. Und sie müssen auch damit umgehen, wenn sie in sozialen Medien mit Fake News und Vorwürfen á la „Lügenpresse“ konfrontiert werden. Was unternehmen Medien also, um Inhalte zu verifizieren und mit Trusted Content zu punkten?

Vertrauenswürdige Informationsquellen

Ein grundlegendes Prinzip journalistischer Arbeit kann im ersten Schritt auch gegen Fake News helfen: Die Zwei-Quellen-Regel. Eine Nachricht oder Information wird erst dann als Inhalt aufgegriffen, wenn für sie zwei voneinander unabhängige Quellen vorliegen – in der verschärften Variante sind drei erforderlich. Viele Tageszeitungen greifen breitenrelevevante Nachrichten beispielsweise nur auf, wenn sie von mehr als einer Nachrichtenagentur verbreitet werden.

Das Problem dabei: Je höher der Druck, schnell und als einer der ersten zu berichten, umso schneller kann diese Sorgfaltspflicht in Vergessenheit geraten.

Prüfung von Inhalten

Und die Nachrichtenagenturen selbst? Wie prüfen diese Nachrichten? Im physischen Raum unterhalten sie ein großes, umfangreiches Korrespondentennetzwerk. So können sie vor Ort recherchieren und Informationen überprüfen. Und im digitalen Raum? Auch hier ist es wichtig, die Informationsquelle entsprechend richtig einzuordnen nach Gesichtspunkten wie Bekanntheit oder aber Reputation. Zudem sucht man nach weiteren Quellen, die die Informationen untermauern. Dabei kommen technische Tools zum Einsatz, die die Echtheit von multimedialen Elementen überprüfen können. Nachrichtenagenturen wie die dpa haben zudem eigene Mitarbeiter wie etwa Listening Officers. Diese beobachten soziale Medien daraufhin, ob sich Inhalts-Cluster an den Orten bilden, von denen Ereignisse berichtet werden. Verification Officers prüfen dann kritisch, ob diese Inhalte plausibel sind.

Die dpa, aber auch Medien wie Zeit Online oder die ARD, sind zudem Teil der „First Draft Coalition“. Dieser Zusammenschluss von Medien und Tech-Unternehmen (darunter die New York Times, Washington Post, Guardian, Reuters, AFP, BB, Google, Twitter und Facebook) kooperiert bei der Verifikation von Informationen. Und die Initiative bietet Online-Kurse sowie Trainings zu diesem Thema an.

Datencheck

Zu den Empfehlungen gehört etwa, bei digitalen Informationen stets folgende Aspekte zu checken:

  1. Lässt sich ein Ereignis, über das berichtet wird, aus weiteren Quellen bestätigen?
  2. Lässt sich der ursprüngliche Urheber des Bilds, Videos oder Texts feststellen und kontaktieren?
  3. Kann die Person vor Ort gewesen sein, um ein Geschehen zu beobachten? Stimmt das Timing, wurde das Material also zu der Zeit aufgenommen, zu der das Ergebnis stattgefunden haben soll? Als Datenmaterial dienen hier die Social-Media-Daten des Urhebers sowie die Metadaten bei Bildern und Videos.
  4. Rückwärts-Suche von Bildmaterial: Handelt es sich um das Original? In welchen anderen Kontexten taucht das Bildmaterial vielleicht bereits auf?

Transparenz und Glaubwürdigkeit

Ein wesentliches Problem bei Fake News: Werden sie durch Artikel richtig gestellt oder entlarvt, erreichen sie deutlich weniger Leser.

Grund dafür ist, dass verifizierte, faktenbasierte Artikel sich meist langsamer und schlechter verbreiten als polarisierende, emotionalisierende Fake-Inhalte. Bei ihnen wird weniger deutlich der Impuls zum sofortigen Teilen ausgelöst.

Die beste Strategie besteht daher langfristig darin, das eigene Image als vertrauenswürdige Informationsquelle, als Anbieter von Trusted Content zu festigen. Dabei geht es nicht nur darum, dass es für das Geschäftsmodell von Medien relevant ist, dass Nutzer direkt zu ihren Inhalten kommen – das ist auch der beste Weg, korrekte Informationen zur Verfügung zu stellen. Doch auch die aktive Teilnahme an Diskussionen im Netz ist wichtig. Neben den dafür notwendigen Ressourcen tritt aber noch ein anderes Problem auf: Wenn Menschen von etwas überzeugt sind, dann kann die Gegenargumentation anhand von Fakten sogar dazu führen, dass sie in ihrer Überzeugung nur weiter bestärkt werden. Das ist der sogenannte Backfire-Effekt. Das heißt konkret: Menschen, die Fake News aus ideologischen Gründen glauben wollen, können in ihrer Einschätzung sogar noch bestärkt werden, wenn Medien sie darüber aufklären wollen, dass es sich um Fake News handelt.

Umso wichtiger ist ein klares, glaubwürdiges Vorgehen, das Vorurteilen wie „Lügenpresse“ strikt mit sachlicher Transparenz entgegentritt. Die Bedeutung eines glaubwürdigen Images gilt im Übrigen nicht nur für sie, sondern auch für Unternehmen.

Zu unseren bisherigen Trusted Content Beiträgen:

Quo Vadis, Vertrauen? – Ein Plädoyer für Trusted Content
Trusted Content: Aufgabe und Wettbewerbsvorteil
Europas Unternehmen vernachlässigen den Kampf gegen Fake News
Was tun gegen Fake News? Antworten von der re:publica 2018


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