D21-Digital-Index 2017/2018 Fink & Fuchs Digital Transformation

Studie D21-Digital-Index 2017-2018 – Die deutsche Gesellschaft wird digitaler

Die Initiative D21 e. V. stellte heute die Ergebnisse des D21-Digital-Index 2017 / 2018 vor. Die Studie wird von Kantar TNS durchgeführt und liefert seit 2013 jährlich ein umfassendes Lagebild zur Digitalen Gesellschaft in Deutschland. Zusammengefasst: Der Digitalisierungsgrad steigt, die digitale Spaltung bleibt jedoch bestehen. Es besteht Skepsis gegenüber intelligenten Geräten, während die Möglichkeiten des modernen Arbeitens noch nicht ausgeschöpft sind. Mobile Endgeräte erleichtern der Generation 50+ jedoch den Internetnutzung.

Wir begrüßen diese Studie, nicht nur weil wir seit fast 15 Jahren Mitglied bei D21 sind, sondern auch weil die Untersuchung ein sehr umfassendes und valides Bild zur digitalen Transformation innerhalb der Bevölkerung vermittelt. Dies hilft uns bei unserer täglichen Arbeit als Berater unserer Kunden bei der seit Agenturgründung immer schon reisigen Zahl an Themen rund um die Digitale Transformation, die zwar aktuell besonders gehyped wird aber eigentlich schon über 30 Jahre andauert.

D21-Digital-Index 2017/2018

Die digitale Kompetenz und Offenheit für die Digitalisierung steigen, aber viele fühlen sich überfordert

Der D21-Digital-Index für die die Digitalisierung der deutschen Gesellschaft erriecht mit 53 Indexpunkten seinen historischen Höchststand. Der Index gibt den Digitalisierungsgrad der Gesellschaft auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten wieder und fasst die Komponenten Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit in einer einzigen Kennzahl zusammen. Erstmals seit 2013 steigt der Indexwert um 2 Punkte im Vergleich zum Vorjahr an. Verantwortlich dafür sind Steigerungen in den Bereichen Kompetenz und Offenheit. Trotz Verbesserungen befindet sich der Digitalisierungsgrad der Deutschen im internationalen Vergleich weiterhin nur auf mittlerem Niveau.

„Wir beobachten zwar eine positive Entwicklung: Immer mehr Menschen bewegen sich souveräner, kompetenter und aufgeschlossener in der digitalen Lebenswelt“, so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21: „Doch nach wie vor fühlen sich viele nicht für die digitale Welt gewappnet. 32 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Dynamik und Komplexität der Digitalisierung überfordere. Um nicht große Teile der Bevölkerung dauerhaft von der digitalen Teilhabe auszuschließen sind deutlichere Anstrengungen in allen Bereichen der Bildung notwendig, sei es in der Schule, Berufsausbildung oder auch der Erwachsenenbildung.“

Bildung und Alter entscheidend für Digitalkompetenzen – Spaltung entlang verschiedener Merkmale

Der D21-Index zeigt eine Teilung der Bevölkerung in drei zentrale Gruppen:

  • 34 Prozent gelten als Digitale Vorreiter, Menschen die sich im Alltag souverän in der digitalen Welt bewegen und mit den aktuellsten Entwicklungen Schritt halten.
  • Die größte Gruppe sind mit 41 Prozent die Digital Mithaltenden, also Personen, die sich gelegentlich in der digitalen Welt bewegen und dort einigermaßen zurechtfinden.
  • Ein Viertel der Bevölkerung – das sind 16 Millionen Bürger – gehören zu den Digital Abseitsstehenden. Diese partizipieren nicht oder nur in geringem Maß an der digitalen Welt.

Die einzelnen Komponenten des D21-Digital-Index (Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit) sind bei den Befragten sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die deutsche Gesellschaft ist bzgl. ihrer digitalen Möglichkeiten in vielerlei Hinsicht gespalten.
Tendenziell lassen sich dabei folgende generalisierte Aussagen treffen:

  • Je jünger, desto digitaler sind die Menschen. Gerade die über 65-Jährigen stehen im digitalen Abseits.
  • Menschen mit hoher formaler Bildung haben einen signifikant höheren Digitalisierungsgrad als Menschen mit niedriger Bildung.
  • Männer sind digital stärker engagiert als Frauen
  • Berufstätige sind stärker digital unterwegs als nicht Berufstätige.

D21-Digital-Index 2017/2018

„Digitalisierung wird Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft grundlegend ändern. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Menschen kompetent und souverän an der Digitalisierung teilhaben können – auch im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“, so Mathias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, mit Blick auf die Ergebnisse des D21-Digital-Index.

Erstmals nutzen über 80 Prozent der Deutschen das Internet. Treibender Faktor ist die fortschreitende Verbreitung des mobilen Internets über Smartphones. Nachdem die jüngeren Generationen bereits seit Längerem nahezu vollständig online sind, gibt es bei den 50 bis 64- Jährigen sowie den über 65-Jährigen Zuwächse von jeweils fünf Prozentpunkten bei der Internetnutzung. Hier besteht auch das größte Steigerungspotenzial: 94 Prozent der verbliebenen 19 Prozent Offliner in der deutschen Bevölkerung sind 50 Jahre oder älter.

Intelligente Geräte sind auf dem Vormarsch – doch die Menschen sind (noch) skeptisch

Aktuell hat ein Großteil der deutschen Bevölkerung bei “intelligenten” Techniken, Geräten und Anwendungen noch Berührungsängste – insbesondere, wenn sie viel Vertrauen erfordern wie etwa beim Einsatz von Assistenzrobotern oder selbstfahrenden Autos. Gegenüber digitalen Sprachassistenten zeigen sich die Befragten etwas offener. 14 bis 29-Jährige sind insgesamt deutlich aufgeschlossener für die Nutzung “intelligenter” Geräte als ältere Generationen.

Es gibt starke Unterschiede, wie sich die Geräte nach Meinung der Befragten verhalten sollen: Beim Einsatz von Pflegerobotern ist ein empathisches, fürsorgliches und beschützendes Verhalten erwünscht. Bei anderen Geräten, wie etwa Sprachassistenten oder Robotern im Job, herrscht größere Uneinigkeit, ob die Maschinen sich eher selbständig / mitdenkend oder gehorsam / assistierend verhalten sollen. „Die Verbreitung intelligenter Geräte stellt unsere Gemeinschaft vor ganz neue Fragen. Die Studie zeigt, dass die Menschen sich noch uneins beim Umgang mit diesen Fragen sind. Daher ist es notwendig, dass wir eine gesellschaftliche Debatte über ethische Leitplanken für die zunehmend digitalisierte Welt führen und moralische Fragen gemeinsam beantworten“, so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21.

Digitale Arbeitswelt: Möglichkeiten des modernen Arbeitens nicht ausgeschöpft

72 Prozent der Befragten betrachten flexible Arbeitszeiten als Teil einer modernen Arbeitswelt. Allerdings arbeitet trotz zunehmender Verbreitung digitaler, tragbarer Arbeitsmittel nur ein Sechstel der Berufstätigen in Deutschland (zumindest teilweise) mobil von unterwegs oder flexibel von zu Hause aus. Gleichzeitig erhält ein Viertel der Berufstätigen ohne Homeoffice oder Telearbeit generell nicht die Voraussetzungen dafür vom Arbeitgeber. Potenziale für flexiblere Arbeit, moderne Arbeitsstrukturen oder die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben werden dadurch nicht ausgeschöpft.

Auch hier zeigt sich eine Spaltung in der Gesellschaft: Am häufigsten bekommen die 30 bis 49- Jährigen vom Arbeitgeber entsprechende Geräte und technische Zugänge gestellt – Männer profitieren davon zwei- bis dreimal so häufig als Frauen.

Hintergrund zur Studie und zur Initiative D21 e. V.

Der D21-Digital-Index ist eine Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar TNS. Sie erfasst die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Mittels persönlich-mündlicher Befragung, sogenannter „face-to-face“-Erhebung (CAPI = computergestütztes persönliches Interview) wurden 20.424 Interviews in Deutschland durchgeführt.

Das Studienprojekt ist gemeinschaftlich finanziert über eine Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie durch Sponsoring. Premiumpartner: Allianz Deutschland AG, Fujitsu Technology Solutions GmbH, Google Germany GmbH, Landesanstalt für Medien NordrheinWestfalen (LfM), PwC Strategy& (Germany) GmbH. Partner: CHG-MERIDIAN AG, Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Deutsche Telekom AG, Ericsson GmbH. Unterstützer: Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V., Capgemini Deutschland, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V., Ricoh Deutschland GmbH

 

Die Initiative D21 ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der 1999 mit dem Ziel gegründet wurde, die digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Mit seiner nun knapp 20-jährigen Erfahrung setzt sich der Verein gemeinsam mit seinem branchenübergreifenden Netzwerk aus Politik und Wirtschaft dafür ein, die durch die Digitalisierung entstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen in all ihren Facetten zu erfassen und die Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, sich selbstbestimmt in der digitalen Welt bewegen zu können. Rund 200 Mitgliedsunternehmen und -organisationen aller Branchen sowie politische Partner von Bund und Ländern bringen gemeinsam in diesem Netzwerk praxisnahe Non-Profit-Projekte voran. Der Verein ist engagiert, den Diskurs zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu verbessern.
Mehr unter www.initiatived21.de

Weitere Informationen

Studienwebsite mit Download der Studie (freie Lizenz): http://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index-2017-2018/

Studien-Grafiken (freie Lizenz): https://www.flickr.com/photos/initiatived21/albums/