re:publica 2014 – feuchter Händedruck in Digitalien

Instagram-republica-Digital-Kommunikation-GesellschaftBig Data zum Anfassen: Nach 350 Sessions, mehr als 88.000 Tweets und einer Datenübertragung von über 3,65 Terrabyte ist die re:publica zum mittlerweile achten Mal zu Ende gegangen. Mehr als 6.000 Teilnehmer beschäftigten sich in Berlin drei Tage lang mit einem breiten Themenspektrum rund um die digitale Gesellschaft. Das Publikum war dabei genau so vielfältig wie das Rahmenprogramm.

Die Internet-Konferenz re:publica ist seit Jahren eine feste Größe im Spannungsfeld Internet und digitale Gesellschaft. Hier werden Grundsatzdiskussionen angestoßen, Botschaften gezielt platziert und von Berlin aus in die Welt getragen. Das dies so ist, ist nicht weiter verwunderlich: Schließlich ist die große Mehrheit der „Internetzer“ beruflich und gleichermaßen privat vor Ort.

Der exzessive Austausch von Informationen ist dabei eine fast schon alltägliche Sache und gehört quasi zum gefühlten Berufsethos dazu (der Autor fühlt sich an dieser Stelle im Übrigen mit eingeschlossen). Informationen zum eigenen Standort über #Foursquare, Momentaufnahmen der aktuellen Situation per #Instagram (Siehe Foto) und öffentliche Diskussionen via #Twitter – Overshare auf sämtlichen Kanälen ist ebenso wie ein chronisch leerer Akku ständige Begleiterscheinung der Veranstaltung.

Umso interessanter und gleichsam hoch frequentiert waren die Sessions zur Verwendung eben dieser Daten. Allen voran der Vortrag von Viktor Mayer-Schönberger (@Viktor_MS) über ethische Grenzen von Big Data. In seinem Vortrag thematisierte er insbesondere das Problem der Vorhersage durch Analyse vorhandener Daten. Er beschrieb unter anderem wie Behörden und Institutionen bereits heute Suchmaschinen einbeziehen, um beispielsweise über Einreise-Genehmigungen zu entscheiden. Er stellte zwar fest, dass die Vorhersage aus Datenanalysen die Welt ein Stück einschätzbarer macht, diese aber auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen beruhe und daher nie perfekt sein könne.

Viktor Mayer-Schönberger forderte daher vor versammeltem Saal das Recht auf digitales „Vergessen-Werden“ und berief sich in diesem Zusammenhang auf den weltweiten Erfolg von Diensten wie Snapchat, die den Bedarf solcher Services bereits erkannt und für sich genutzt haben.

In die gleiche Kerbe schlug – zumindest tendenziell und zur allseitigen Überraschung – auch David Hasselhoff (#TheHoff). Der hatte nach eigener Aussage zwar „nothing to do with the wall coming down“, trat aber als Markenbotschafter für einen finnischen Internet-Sicherheitsanbieter den Kampf um die Freiheit im Internet an.

Für Berufskommunikatoren ist das Phänom Big Data und die Bereitschaft zur Digitalisierung gleichermaßen Fluch wie Segen. Auf der einen Seite ist die Fülle an Informationen ein schier nie endender Wissenspool zur Recherche und Inspiration, auf der anderen Seite verleitet es in vielerlei Hinsicht dazu, sich in der Vielfalt zu verlieren. So oder so, am Ende ist jeder selbst, bzw. sein individuelles Netzwerk der wichtigste Filter. Der Konsum von Informationen sowie die Inhalte, die ich selbst publiziere, obliegen allein dieser Hürde: Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen bringt es in einem Bericht des Tagesspiegel treffend auf Punkt:

„Wir alle folgen längst unseren persönlichen Trüffelschweinen im Informationsuniversum, denen wir Relevanzvertrauen schenken.“

Weitere Infos und Gedanken zum Event:


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