Die Rolle der Kommunikatoren für Mensch, Medien und Gesellschaft – unsere Eindrücke von der DGPuK

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Eine Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), jetzt, mit Corona überall? Ja, auch wenn sich die Veranstalter die Entscheidung nicht leicht gemacht haben. Die Diskussionen darüber zeigten aber auch deutlich, wie wichtig es ist, zu kommunizieren, sich auszutauschen.

Mit dem Motto #Medien #Mensch #Gesellschaft wird auch klar, warum nicht nur durch Polarisierung, Ängste und Ausgrenzung in der Gesellschaft Medien, Kommunikatoren und der Wissenschaft eine wichtige Rolle zukommt. Die Panik rund um Corona zeigt ganz exemplarisch, wie wichtig diese Aufgaben sind – und wie groß die Herausforderung ist, Menschen zu erreichen, zu informieren und aufzuklären. Und nicht der klickheischenden Aufregung noch Futter zu geben.

Unter diesen Vorzeichen hat die DGPuK begonnen – wenngleich mit ausgedünnten Reihen. Als einer der Sponsoren sind wir gern auch vor Ort beteiligt.

Den Startimpuls gab Tech-Kritiker Evgeny Morozov in seiner Keynote Beyond the Big Tech: Small, Humane or Democratic Tech. Sein Thema: In der Debatte zu Gegenszenarien zu Big Tech bleiben die meisten Ansätze im gesetzten kapitalistischen Modell. Sowohl eine Stärkung des Staates als auch die Förderung vieler kleiner Startups statt einzelner großen Akteure wie Facebook oder Google würden einen entscheidenden Akteur außen vor lassen: die Bürgerinnen und Bürger.

Momentan ginge es daher viel zu wenig darum, wie sie selbst oder auch NGOs und Institutionen zusammenarbeiten und gemeinsam Innovation schaffen könnten, statt nur als User und Konsumenten gesehen zu werden. Die Rolle des Staates dabei besteht für Morozov darin, sich dafür einzusetzen, dass sie Zugang zu Infrastruktur erhalten, ohne sich Sorgen über die Kosten machen zu müssen.

Seine Hauptkritik an Big Tech als „hochentwickeltster Teil des Kapitalismus“: Unternehmen wie Uber werden als Erfolgsbeispiel gesehen, obwohl sie große Verluste machen und ihr Modell nicht nachhaltig sei: Würden sie sich durchsetzen, würden Preise steigen oder Fahrer ihren Job verlieren. Würden sie sich nicht durchsetzen, sei das Geld aller Investoren, zu denen auch Pensionsfonds zählen, verbrannt. Gefragt seien stattdessen dezentrale Strukturen, die Bürgerinnen und Bürger ermächtigen. Einen Fahrplan für die Umsetzung hat Morozov allerdings nicht.

Verschmelzen Journalismus und PR zukünftig?

Nach diesem Denkimpuls starteten die Panels – und mit dem Panel zu Strategischer Kommunikation eines, das für Agenturen wie Medien zentrale Fragen behandelte.

Es ging um die Rollen von Journalismus und PR – und die Gefahren, die in ihrem Verschwimmen liegen. Wenn aktuelle Studien ergeben, dass PR-Texte Lesern teilweise nicht nur besser gefallen, sondern sie sich auch besser informiert fühlen, was heißt das für die Kommunikation?

Hanning Kempe (FleishmanHillard, GPRA) bekannte sich als Vertreter der Agenturen dabei klar zur Verantwortung: „PR ist nicht die Abkürzung für Propaganda“. Was PR aber offenbar in Teilen besser gelinge: Zielgruppen und deren Bedürfnisse adressieren und für diese arbeiten.

Svenja Koch von Campact ging es darum, dass Medien für die Kommunikation ein wichtiger Kanal, aber eben nur einer neben anderen sind. Und dass Transparenz und Glaubwürdigkeit wichtig sind – es aber nicht die Aufgabe der Unternehmenskommunikation sei, Journalisten auf nicht gemachte Hausaufgaben hinzuweisen. Campact sei ohne Social Media und dessen Aussteuerungsmöglichkeiten nicht vorstellbar – mit Engagement-Werten im sechs- bis siebenstelligen Bereich sind die eigenen Kanäle hier auch reichweitenstärker als viele Medien.

Objektive Berichterstattung und Medien als Earned Media spielen für Unternehmen wie Agenturen trotzdem eine große Rolle. Für Henriette Löwisch von der DJS folgt daraus auch, dass sie in Aktion treten müssten – und etwa nicht nur Journalistenpreise ausloben, sondern genauso viel Geld für die Ausbildung von Journalisten zur Verfügung stellen sollten.

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Im Rahmen der lebhaften Diskussion auf dem Panel wie auch mit dem Publikum zeigten sich naturgemäß unterschiedliche Sichtweisen – auf die jeweiligen Rollen, aber auch darauf, wer denn moderner arbeite, die diverseren Teams hat und wer neue Formate sinnvoll ausprobiert. Eine gesunde Reibung, die im Zusammenspiel der Akteure auch wichtig ist. Denn die unterschiedlichen Rollen sind notwendig.

Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen sind dabei das, was alle Panelisten bei Medien und auch der eigenen Arbeit für zentral halten. Der Weg aus dem Klickwahnsinn und immer schneller drehenden Rädern wäre für Kempe einer, in dem man sich gemeinsam einen Tick zurücknimmt und mehr auf die eigene Sprache achtet. Auch Medienkompetenz spielt eine große Rolle – was bedeutet, dass deren Förderung ein gemeinsames Anliegen sein sollte.


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