Oriella Studie – Digitaler Journalismus 2011

Welchen Einfluss haben soziale Medien auf die tägliche Arbeit von Journalisten: Dienen Facebook, Twitter & Co. zunehmend als Recherchequelle und Verbreitungskanal? Und:  Haben die fortschreitende Digitalisierung und die Verschiebung von Werbe-Budgets Auswirkungen auf die Qualität der Berichterstattung?

Diese und weitere Fragen hat das global tätige PR-Netzwerk Oriella 2011 zum vierten Mal in Folge im Rahmen einer internationalen Untersuchung (Europa / USA) genauer analysiert. In Deutschland wurde die anonyme Umfrage “Journalismus im digitalen Zeitalter” von den Oriella-Partnern Fink & Fuchs PR und PR-COM durchgeführt. Teilgenommen haben in diesem Jahr 478 Journalisten aller Mediengattungen aus 15 Ländern, unter anderem aus Brasilien, Deutschland, Großbritannien und den USA.

Inhaltsübersicht

Social Media werden als Quelle genutzt

Social Media haben sich rasant zu einer bedeutenden Quelle für die Recherche und Faktenprüfung in Redaktionen entwickelt: Fast die Hälfte aller Befragten (47%) gab an, Twitter zur Recherche neuer Themen zu nutzen und über ein Drittel beobachtet die Nachrichtenlage via Facebook (35%).

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Auch Blogs haben sich als feste Adresse zur Recherche etabliert: 30 Prozent der Befragten gaben an, ihnen bekannte Blogs zu nutzen, während 42 Prozent auch Informationen aus Blogs beziehen, die sie zuvor noch nicht kannten. Gleichzeitig bestätigt die Studie auch die Bedeutung der Arbeit von PR-Agenturen: Annähernd zwei Drittel (62%) der befragten Journalisten nutzen die Unterstützung von Agenturen für die Erstellung von Beiträgen, weitere 59 Prozent suchen den direkten Kontakt zu Unternehmenssprechern.

Twitter, Facebook und Blogs werden neben der Recherche auch als Tools zur Verifizierung von Fakten genutzt: Ein Drittel gab an, Twitter zur Prüfung zu verwenden; ein Viertel recherchiert in Facebook und ein weiteres Viertel sucht Blogs auf. Dennoch zählen Unternehmen und Agenturen nach wie vor zu den wichtigsten ersten Anlaufstellen für die Verifizierung von Informationen, wobei 61 Prozent der befragten Journalisten PR-Agenturen als Quelle nutzen und 57 Prozent sich auf Unternehmenssprecher beziehen.

 

Angebot sozialer und digitaler Medien nimmt deutlich zu

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Doch nicht nur bei der Erstellung von Inhalten beeinflussen Social Media die Arbeit der Redaktionen. Den Ergebnissen die Studie zufolge ist auch der Anteil der für Social Media erstellten Inhalte auf dem höchsten Stand seit Beginn der Studie 2008: Mehr als die Hälfte der befragten Journalisten gab an, dass ihre Redaktionen Twitter Feeds (55%) und von Journalisten geschriebene Blogs (54%) anbieten. Ebenso sind Videobeiträge auf dem Vormarsch und gehören bereits bei 48 Prozent der Befragten zum redaktionellen Angebot.

Die Anzahl der Redaktionen, die keinerlei Social-Media-Inhalte anbieten, also Informationen via Blogs, Twitter Feeds, Diskussionsforen, Podcasts und andere interaktive Medien, ist deutlich gesunken: Während in der Auftaktstudie im Jahr 2008 noch ein Viertel aller Medien in diese Kategorie gehörte, beträgt dieser Anteil 2011 nur noch ein Achtel.

Eine ebenso bemerkenswerte Entwicklung zeigt sich hinsichtlich der Popularität der verschiedenen Medienformate: Zum ersten Mal seit Beginn der Studie gaben die Befragten an, dass ihr Online-Medium ein größeres Publikum anzieht als klassische Offline-Medien. Der Anteil der Journalisten, deren klassisches Medium die meisten Leser, Hörer oder Zuschauer hat, fiel unter die Grenze von 50 Prozent.

 

Optimistischere Einschätzung bei den Werbeeinnahmen

Die Ergebnisse der „Digital Journalism Study“ deuten an, dass die rückläufige Entwicklung der Werbeeinnahmen etwas nachgelassen hat. Im Jahr 2010 erwarteten 62 Prozent der Befragten einen Rückgang der Erlöse. Heute liegt dieser Anteil nur noch bei knapp 20 Prozent. Diese vorsichtig optimistische Einstellung spiegelt sich auch in den Eindrücken der Befragten hinsichtlich der Leser-/Hörer-/Zuschauerentwicklung wider. Im Jahr 2010 erwarteten 41 Prozent der Befragten einen steten Rückgang der Publikumszahlen. Dieses Jahr teilten nur noch neun Prozent diese Erwartung.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Präsenz von Social Media, den verbesserten Erwartungen hinsichtlich Werbeerlösen und Publikumsentwicklung zeigen die Ergebnisse, dass die befragten Journalisten heute einem höherem Druck ausgesetzt sind als zuvor. Fast die Hälfte der Befragten (45%) räumte ein, mehr Inhalte produzieren zu müssen, rund ein Drittel (34%) muss länger arbeiten. Allerdings gaben trotz dieses zunehmenden Drucks 44 Prozent der Befragten an, mehr Vergnügen an ihrer Arbeit zu haben (2010: 34%; 2009: 27 %).

 

Statements von Oriella-Partnern

Giles Fraser, Co-Chef des Oriella PR Netzwerks und Mitbegründer von Brands2Life, sagte zu den Ergebnissen: „Die jüngste Studie belegt die stetig zunehmende Akzeptanz von Social Media in Redaktionen; für Recherche und Verifizierung von Beiträgen und deren Distribution über eine vielfältige Multikanal-Infrastruktur. Während in der Vergangenheit Social Media vorrangig als Versuchsplattform angesehen wurden, so betrachten Medien diese jetzt als eine ernstzunehmende Informationsquelle.“

Stephan Fink, Vorsitzender des Vorstands von Fink & Fuchs Public Relations, ergänzt: „Die Vielfalt der Medienformate erfordert mehr denn je, dass Inhalte klar und vor allem medienadäquat aufbereitet sein müssen. Nur dann werden Botschaften in Text, Video und Bild über alle Kanäle erfolgreich vermittelt werden können. Dennoch sollte bei aller Euphorie und der wachsenden Bedeutung von Social Media nicht unerwähnt bleiben, dass klassische Tools wie das persönliche Gespräch bei der redaktionellen Recherche nach wie vor an erster Stelle rangieren. Es geht also nicht um „entweder/oder“ bei Social Media und klassischer PR sondern um „sowohl/als auch“ und durchdachte Multikanalstrategien”.

 

Berichtsband zum Download

Besuchen Sie die Webseite zur Studie mit weiteren Charts und der Möglichkeit, den Berichtsband als PDF herunter zu laden.

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