Praxistipp: Podcasting – Ein neuer Kanal für Public Relations

Was haben die Bundeskanzlerin, Computerwoche und Ebay gemeinsam? Sie alle podcasten! Das Kelkheimer Zukunftsinstitut hatte es bereits 2005 in seiner Studie „Medialution“ vorausgesagt: Massenmedien werden an Bedeutung verlieren und dem Trend digitaler Individualisierung weichen. Podcasts stehen für individualisierte On-Demand-Kommunikation und sind ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Was ist Podcasting?

Podcasting bezeichnet das Produzieren und Anbieten von Mediendateien (Audio oder Video), die per RSS-Feed über Websites, Blogs oder Podcastportale beziehbar sind. Ein Podcast umfasst in der Regel eine Serie von Medienbeiträgen. Die jeweiligen Episoden hängen meist thematisch zusammen, so dass ein fester Adressatenkreis regelmäßig zu einem speziellen Thema angesprochen wird. Mittels spezieller Software (sog. Podcatcher) lassen sich Podcasts automatisch auf Desktops oder MP3-Player laden und damit zeit- und ortsunabhängig nutzen. Hierin sowie in der Authentizität und Themenvielfalt liegt der wesentliche Reiz für die Nutzer dieses neuen Mediums.

Corporate Podcasting im Aufwind

Auf dem 2. Deutschen Podcast Kongress Ende Januar 2007 in Köln war auch Corporate Podcasting Gegenstand der Diskussion. In einer vorab durchgeführten Studie gaben 41 Prozent von ca. 1.000 befragten Podcast-Nutzern an, sich schon mit Firmen-Podcasts beschäftigt zu haben. Über die Hälfte bestätigte, dass sich hieraus interessante Inhalte zu Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen gewinnen ließen. Dies verdeutlicht das Potenzial von Podcasts für die Public Relations, Unternehmens- und Produktkommunikation.

Public Relations mit Podcasts

Mit Podcasts lassen sich insbesondere Zielgruppen erreichen, die sich außerhalb klassischer Medienströme informieren und austauschen. Hierunter fällt vor allem die Generation der „Digital Natives“, die bereits mit PC, Notebook, Internet, Instant Messaging, Spielekonsole und Handy groß geworden ist. Dies bestätigte auch die zweite Podcastumfrage 2006. Podcasts eignen sich somit gut zur Nischenkommunikation und des Viral Marketing. Im Vorfeld von Produkteinführungen bietet sich z.B. die gezielte Verbreitung von Audio- oder Videopodcasts an, um mit einer „Sneak Preview“ des neuen Produktes vorzeitig Aufmerksamkeit und Mund-zu-Mund-Propaganda zu erzeugen.

Vor allem aber ist ein Special Interest Publikum adressierbar, das über die Massenmedien nur schwer erreicht wird. Die Gestaltungsfreiräume von Audio/Video-Podcasts gestatten den Transport jedweden Inhalts ohne zwischen geschaltete Redaktion, von sachlicher Fachinformation bis zu emotional aufgeladener Consumer-Story. Podcasthörer schätzen die intelligente und gleichsam unterhaltsame Ansprache, die durchaus auch mal abseits des Konventionellen stattfinden darf. Ein gutes Beispiel für einen unterhaltsamen Video-Podcast zeigt die Wochenshow von Ebay, in der neben Unternehmensinformationen Tricks und Kniffe für das richtige Einkaufen gegeben werden.

Podcasts eignen sich aber auch zur Begleitung von Live-Kommunikationsmaßnahmen, wie Messen, Roadshows und anderen Events. Messebesucher können so bereits auf dem Heimweg im Stau das Neueste von der Pressekonferenz erfahren, ohne live dabei gewesen zu sein und auf die gewünschten Informationen in den Nachrichten zu hoffen. Darüber hinaus lassen sich die produzierten Inhalte im Rahmen der Hörfunk-/TV-PR sinnvoll weiterverwerten. Neben externer Kommunikation können Podcasts aber auch nach innen eingesetzt werden.

Was ist zu beachten?

Der Podcast-Hype zwingt nicht zum mitmachen, aber man sollte prüfen, wo es für das eigene Unternehmen sinnvolle Optionen gibt. Die Inhalte müssen sich an Produkt und Unternehmen orientieren und dem Hörer einen wirklichen Mehrwert bieten. Nicht langweilen, lautet die Devise. Verpacken Sie Ihre Informationen in unterhaltsame Geschichten (Link zum Fokus Profile August/Sept. 2005 „Storytelling“), die echten Nachhall erzeugen. Bei der Produktion ist auf größtmögliche Professionalität zu achten; ein gelernter Sprecher oder Moderator ist daher unabdingbar, wenn Sie Ihre Themen seriös vermitteln wollen. Da es sich beim Podcasting um eine noch junge Disziplin handelt, besteht jedoch auch viel Gestaltungsspielraum. Nutzen Sie ihn!


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